Ein Erfahrungsbericht über die Medical University of Plovdiv

Ich heiße Ann-Cathrin und bin Medizinstudentin im 6. Jahr an der Medical University Plovdiv. Ich darf inzwischen auf fast 6 aufregende Jahre hier in Bulgarien zurückblicken.

2014 entschied ich mich also nach Plovdiv „auszuwandern“, um hier endlich meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Heute fast 6 Jahre später, bin ich unglaublich glücklich über diese Entscheidung.

Jeder große Schritt ist mit ebenso großen Sorgenfalten verbunden. Ich war mir „damals“ nicht sicher, ob meine einfaches Schulenglisch ausreichend ist, um damit zu studieren. Und dann ausgerechnet eines der anspruchsvollsten Fächer, Medizin. Wie sich dann aber schnell herausgestellt hat, war diese Sorge völlig unbegründet. Das Studium auf Englisch macht sehr viel Spaß.

Die MUP, wie wir unsere Uni hier alle nennen, ist im wesentlichen eine große Familie. Die Gruppen sind bewusst klein gehalten, der Kontakt zu Assistenten und Professoren kann hier und da schon fast freundschaftlich beschrieben werden und so entsteht eine sehr angenehme Atmosphäre quer durch alle Jahrgänge.

Einmal im Jahr findet mindestens ein Ball statt, wo wir alle zusammenkommen und uns gemeinsam feiern, Professoren, Assistenten und wir eben.

Unsere Uni ist das blühende Leben der Kulturen. Das macht sich nicht nur auf dem Campus bemerkbar, sondern auch in den vielen Aktivitäten, die das ganze Jahr über stattfinden. In Plovdiv und an unserer Uni ist die ganze Welt zu Hause.

Aber ohne Fleiß kein Preis. Nach dem Vergnügen also die Arbeit. Es gibt kleine Lerngrüppchen, Individual-Lerner, und Angebote der höheren Semester, die einem den Start ins Studium erleichtern. Testate (wir nennen sie hier Colloquium) finden regelmäßig statt, in allen Fächern. Und zwei Mal im Jahr stehen die großen Klausurenphasen an, im Januar und im Juni/Juli.

Und was ist mit Bulgarisch? Im ersten und zweiten Studienjahr steht die hiesige Landessprache auf dem Stundenplan. Von Smalltalk bis medizinischer Anamnese, wird das gesamte Spektrum abgedeckt. Damit findet man sich super im klinischen Abschnitt zurecht. Denn hier beginnt der wohl interessanteste Teil des Studiums.

Unsere Patienten lernen wir in den öffentlichen und privaten Kliniken unserer Universität kennen. Die klinischen Fächer werden direkt am Patientenbett nebst Vorlesung unterrichtet. „Hands on experience“ wird bei uns groß geschrieben und die meisten Patienten sind uns außerordentlich wohl gesonnen, besonders weil es mit der Sprache dann doch mal hier und da hakt (für diese Fälle übersetzen dann unsere Assistenten).

In den klinischen Semestern werden unsere Examen zusätzlich auch praktisch am Patientenbett durchgeführt. Das nötige Know-How wird in den Einführungs- und Vertiefungskursen vermittelt. Das gesamte dritte Studienjahr werden so z.B. die Techniken der Anamnese-Erhebung und der vollständigen körperlichen Untersuchung in den Bereichen der Inneren Medizin und Chirurgie unterrichtet.

Nach einem langen und anstrengenden Tag, möchte man sich dann mit seinen Freunden entspannen. Dazu gibt es in Plovdiv unendlich viele Möglichkeiten. Da ist für jeden etwas dabei. Unser „Kapana“ ist legendär für lange Partynächte. Es gibt außerdem diverse Clubs. Und wer sich von langen Nächten erholen möchte, der kann sich im Spa der örtlichen Hotels verwöhnen lassen. In Plovdiv lässt sich für jeden Geschmack etwas finden! Plovdiv ist einfach optimal in vielerlei Hinsicht!

Tja, aber so schön und toll hier alles ist, zu Hause ist es eben doch am besten. In den vergangenen 6 Jahren haben wir ein großes Netzwerk an Fahrern aufgebaut, die uns günstig und sicher nach Sofia zum Flughafen bringen (und uns dort auch wieder abholen).

Wenn ich heut nochmal vor der Selben Entscheidung stehen würde, mit dem Wissen von heute würde ich mich im jeden Fall, sofort wieder für Plovdiv entscheiden.

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